Carsten Linnemann - ein Politiker im Interview 

Wie begründen Sie das gute Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen?

Es gibt mehrere Gründe für das Erstarken der AfD. Darunter auch eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien, die bereits in der Eurokrise spürbar wurde. Die Flüchtlingskrise war letztlich der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Viele Menschen wählten AfD, weil sie schlicht keine andere Möglichkeit sahen, um den regierenden Parteien zu zeigen, dass sie mit ihrer Politik nicht einverstanden sind. Insofern ist der AfD-Wähler überwiegend ein typischer Protestwähler.

 

Die Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen müssten doch für Ihre Partei ein Denkzettel sein. Was denken Sie über diese Bürger, die ihren Politikerfrust

an der Wahlurne kundtun?

Das sind Menschen, die mit ihrer Wählerstimme ein Zeichen setzen und wach rütteln wollten. Auch wenn es in diesem Fall nicht allen gefallen mag – das ist gelebte Demokratie.

 

Warum spaltet eigentlich das Thema „Flüchtlingspolitik“ in Deutschland so stark die Gesellschaft?

Weil uns dieses Thema auch emotional massiv herausfordert. Es geht um nicht weniger als um existenzielle Fragen.

Da ist zum einen der humanitäre Aspekt und unser inneres Bedürfnis, Menschen in Not zur Seite zu stehen.

Auf der anderen Seite ist da aber auch das Wissen, dass eine Gesellschaft nicht unbegrenzt Menschen aus völlig fremden Kulturen bei sich aufnehmen, geschweige denn integrieren kann.

 

Wie stehen Sie grundsätzlich zum Islam unter der Regierung von Erdogan?

Ich bedauere, dass Ministerpräsident Erdogan den Pfad der Säkularisierung verlassen und einen Prozess der "Re-Islamisierung" eingeleitet hat. Diese Entwicklung ist nicht neu, sie wird durch die letzten Fortschrittsberichte der EU belegt. Daher mahne ich auch immer wieder an, dass wir uns in der Flüchtlingskrise nicht in eine zu große Abhängig von Erdogan begeben dürfen.  

 

Was kann die Wirtschaft tun, um die Integration von Flüchtlingen voranzutreiben?

An den Anfang gehört eine ehrliche Bestandsaufnahme. Fakt ist, dass die deutliche Mehrheit über nur geringe Schulkenntnisse und kaum Berufsqualifikationen verfügt. Zudem gibt es massive Sprachprobleme. Mit anderen Worten:

Die Mehrheit der Flüchtlinge wird sich nicht schnell in den Arbeitsmarkt vermitteln lassen, sondern muss eine Art von Aufbauprogramm absolvieren. Die Vermittlung von Grundkenntnissen steht hier an erster Stelle.

Erst in einem zweiten Schritt kann darüber nachgedacht werden, wie diese Menschen in den Arbeitsmarkt gezogen werden können. Sinnvolle Brücken können z.B. Praktika sein. Aber auch über neue Ausbildungsmodelle, in denen eine berufliche Ausbildung mit einem Sprachkurs verbunden wird, wird zu sprechen sein.

Ich durfte, den CDU- Politiker Carsten Linnemann 6 Fragen über die Politik stellen. Seine interessanten Antworten sind unten zu finden.